23.06.2017

LineageOS 14.1 auf dem LG G4 (H815)

Die beste Ehefrau von allen wollte ein anderes Handy haben. Also hab ich mich auf die Suche gemacht mit den üblichen Auswahlkritieren, die ein paranoider Mensch halt so hat: es muss ein Custom-ROM unterstützen, das absehbar länger noch Updates bekommt. Die Alternative wäre ein aktuelles Google-Modell gewesen, also die letzte Generation Nexus oder eben ein Pixel. Nexus 5X oder 6 wären ok gewesen, das 6P und die Pixel-Varianten sind (noch) zu teuer.

In die engere Wahl kamen Motorola G4 Plus (ich bin mit meinem Moto G "falcon" der 1. Generation als Handy für die Firmen-SIM-Karte immer noch sehr zufrieden), Nexus 5X, Nexus 6 und in letzter Minute LG G4.

Wie man aus der Überschrift erkennen kann, ist es das LG G4 geworden. Das Motorola ist in der gewünschten Farbe und Speicherausstattung nur sehr schwer zu bekommen (32 GB weiß), das Nexus 6 wurde in der Hosentasche getestet und für zu groß befunden, und dann war es eigentlich eher Zufall, dass es nicht das Nexus 5X geworden ist.

Die Ausstattung ist ziemlich gut: 32 GB Speicher, 16 MP-Kamera und ein Bildschirm mit 2560x1440. Dazu 3 GB Arbeitsspeicher, eine Snapdragon 808-CPU mit 2 schnellen Kernen mit 1.8 GHz, 4 etwas langsameren mit 1.4 GHz und dazu ein Adreno-Grafikchip 418. Ich machte zuerst einen halbherzigen Versuch, das Original-Android von LG auszuprobieren. Aber nach der Grundeinrichtung stellte ich fest: die Icons sehen hässlich aus und Version 6.0 mit dem Security-Level Juli 2016 sind nicht akzeptabel. Also zack! Entsperren und LineageOS drauf. Etwas gewöhnungsbedürftig ist beim ersten Mal, dass der Einschaltknopf und die Lautstärketasten auf der Rückseite unter der Kameralinse liegen. Aber das ist gar nicht mal so unpraktisch, wie es sich zuerst anhört.

Installation von Custom-ROMs ist ähnlich umständlich wie beim Moto G: man muss auf einer Website die IMEI-Nummer und einen Gerätecode eingeben, den man im fastboot-Menü des Geräts abfragen muss, sich mit einer Emailadresse registrieren und dann bekommt man eine Binärdatei zugeschickt, die mit dem fastboot-Programm in einen speziellen Speicherbereich "unlock" des Geräts geflasht werden muss. Das Flashen ist aber auch erst möglich, wenn man den Entwicklermodus freigeschaltet hat und dann im dortigen Menü das Entsperren erlaubt hat. Dabei muss man mehrfach abnicken, dass man auf die Garantie verzichtet. Nicht weiter schlimm, das Gerät war sowieso schon knapp 'raus aus der Herstellergarantie.

Achtung: beim Unlock wird das Gerät komplett gelöscht, genau wie bei den Nexus-Geräten. Man sollte diesen Schritt also entweder sofort nach dem Kauf durchführen oder nach einem Backup aller Lieblingsdaten.

Ziemlich cool gelöst: wenn der Windows-PC, an dem man das G4 zum Entsperren anschließt, die USB-Treiber noch nicht installiert hat, mutiert das G4 für kurze Zeit zu einem CD-Laufwerk am USB-Port und Windows kann sich die MSI-Datei direkt vom Gerät holen. Nach der Installation verwandelt sich das G4 wieder zurück in das übliche MTP-Gerät. Auf dem einen verbliebenen Windows-PC in unserem Haushalt (mit Windows 7) ging das problemlos.

Die Installation von TWRP geht problemlos, die Anleitung auf twrp.me ist eine einfach geschriebene Schritt-für-Schritt-Anleitung. In einem ersten Schritt wird das Image von TWRP verwendet, um in das Recovery zu booten. Danach muss man dasselbe Image nochmals mit "adb push" auf das Gerät schieben und mit der Option "Image" ins Recovery flashen. TWRP empfiehlt, an dieser Stelle, nochmals das alte Android zu booten, um zu testen, dass das Recovery korrekt installiert wurde.

Allerdings dauert dieser Schritt recht lang, denn - wie oben bereits erwähnt - wird das Gerät komplett gelöscht und durchläuft damit erneut die Grundeinrichtung. Man muss erneut die Debugoptionen freischalten, den Key des PCs für den adb-Zugang erlauben und dann kann man erneut mit "adb reboot recovery" ins TWRP booten.

Nun ist es soweit: ein aktuelles LineageOS-zip und die (arm64!) OpenGApps mit "adb push datei /sdcard" auf das Gerät verfrachten, "Wipe" und danach "Install" aufrufen und die beiden zip-Dateien in einem Rutsch flashen. Wer möchte, kann auch gleich die root-Freischaltung durchführen und das entsprechende Extrapaket von LineageOS flashen, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Pokémon z.B. droht immer mal wieder, gerootete Geräte vom Spiel auszuschließen. Auf jeden Fall ist es wichtig, Android und Google Apps direkt hintereinander zu flashen. Nur beim allerersten Systemstart bekommen die System-Apps alle Berechtigungen, die sie benötigen. Wenn man Android bootet und die Google Apps erst später in einem zweiten Durchlauf im Recovery flashen will, geht das schief.

Kleiner Fallstrick: die Open GApps werden als 64-Bit-Paket benötigt, also beim Download aufpassen, "ARM64" und die gewünschte Variante auszuwählen. Ich bevorzuge immer die "pico"-Variante, die nur den Play Store enthält. Alles weitere will ich mir einzeln aussuchen, auch wenn es dann den allgemeinen Speicher belastet und nicht in die Systempartition gespeichert wird. Natürlich kann man ein Handy auch komplett ohne Google betreiben, wie z.B. die c't beschreibt. Dann muss man sich halt einen alternativen App Store und Apps aussuchen, aber es gibt außerhalb von Google genügend Auswahl.