10.05.2017

Leserbrief für das Impfen

Vor etwa zwei Wochen gab es ein Interview in der WZ mit einem Apotheker über die Bedeutung des Impfens. In der Folgewoche wurde ein erbitterter Leserbrief abgedruckt, in dem der Verfasser dem Apotheker vorwarf, dass es beim Impfen nur um's Geldverdienen ginge und dass es ja sogar Ärzte gäbe, die Bücher wider das Impfen schrieben.

Bei soviel Ignoranz musste ich antworten. Ich hätte auch gern noch den Blogartikel der amerikanischen Wissenschaftlerin zitiert, der vor einigen Monaten die Runde machte, aber ich habe ihn auf die Schnelle nicht wieder gefunden. Kann hier jemand mit einer URL helfen? Immerhin hat der Kinderdok in seinem Blog "kids and me" vor ein paar Tagen nochmal den Ausschnitt gebracht, in dem Dr. House mit einer Impfgegnerin spricht.

[Veröffentlicht mit Veränderungen am 10.05.17, Änderungen und Streichungen]


Leserbrief zum Leserbrief gegen Impfen (04.05.2017)

Hr. Z., ich bin ehrlich gesagt verblüfft darüber, dass Sie Impfungen unter finanziellen Aspekten betrachten. Sie werfen tatsächlich einem Apotheker vor, dass er Geld mit dem Verkauf von Medikamenten verdient?

Ich hoffe ernsthaft, dass niemand wirklich auf das Impfen verzichtet, nur um der "Pharma-Industrie" finanziell eins auszuwischen. Die Krankenkassen bezahlen alle empfohlenen Impfungen. Im Übrigen ist das Impfen für die Krankenkassen wesentlich preiswerter als die Behandlung der ausgebrochenen Krankheiten und Folgeschäden. Wenn es Ihnen um's Geld geht, folgen Sie doch der Empfehlung von Dr. House aus der gleichnamigen Fernsehserie: investieren Sie in Firmen, die Kindersärge herstellen. (Link entfernt)

Das Impfen ist eines der am besten erforschten medizinischen Gebiete. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und die Meldungen über Impfschäden sind statistisch und medizinisch belegt und nachvollziehbar, z.B. im Web - wenn man sich denn informieren will. Bei den üblichen Impfungen für Kinder sollte es keine Diskussionen geben. Eine Langzeitstudie an der Charité in Berlin hat übrigens festgestellt, dass der plötzliche Kindstod (SIDS) statistisch wesentlich seltener bei Säuglingen auftritt, die gegen Keuchhusten, Diphtherie und Polio geimpft sind.

Ihr Leserbrief beweist nicht im Geringsten, dass das Impfen als medizinische Maßnahme schlecht ist. Aber wegen Impfgegnern kommt es dann wie in Berlin zu einer Masernepidemie mit 700 Kranken und einem toten Baby, weil Eltern lieber dogmatischen Zufallsfundstellen aus dem Internet vertrauen als einem fachkundigen Kinderarzt. Von wem lassen Sie lieber eine Blinddarmentzündung operieren? Von einem Chirurgen oder machen Sie es doch selbst mit einer Anleitung von Youtube?

Impfen ist wichtig, und sofern keine außerordentlich gewichtigen Gründe dagegen sprechen (z.B. Immunschwäche als Folgen einer Chemo-Therapie o.ä.), sollte jeder Mensch den Empfehlungen der StTIKo folgen und die üblichen Impfungen vornehmen lassen. Dies gilt besonders, um diejenigen zu schützen, die sich wirklich nicht impfen lassen können. Jeder nicht geimpfte Mensch ist ein Risiko für diese Ausnahmen.

Gerade bei Masern haben sich die Impfstoffe seit den 70ern entscheidend verbessert. Bei Lebendimpfstoffen (also abgeschwächten Bruchstücken von Erregern) werden üblicherweise gar keine Zusatzstoffe verarbeitet. Bei anderen Impfstoffen gibt es Zusatzstoffe, aber in vollkommen unkritischer Dosierung. Der Konservierungsstoff Thiomersal ist seit Jahren nicht mehr in Verwendung, selbst dort wäre der Quecksilbergehalt in einer Dosis 100-mal geringer gewesen als in einer einzigen Pizza mit Thunfisch.

Ebenso hält sich immer noch hartnäckig das Gerücht, dass Impfungen für Autismus und ADHS verantwortlich seien. Der Autor dieser einen fragwürdigen Studie wollte aber nur den Impfstoff in Misskredit bringen, weil er selbst finanzielle Interessen hatte.

Wenn man überlegt, dass die Impfschäden bei Masern in Millionstel gemessen werden, die Todesfälle und bleibenden Schäden durch die Masern hingegen bei bis zu 5 von Tausend liegen (USA), 3 von Tausend (Schweiz) bzw. 1 von Tausend (D), sollte sich jede Diskussion erledigt haben. "Impfschaden" ist z.B. auch, wenn danach zwei Tage leichtes Fieber auftritt. Es heißt nicht "Kinderkrankheit", weil sie so harmlos wäre, sondern nur deshalb, weil ungeschützte Kinder am häufigsten die Opfer sind. An Masern, Keuchhusten etc. kann man sterben! Den Erfolg der Polio-Impfungen (Kinderlähmung) wollen Sie nicht abstreiten, oder? Die Krankheit ist so gut wie ausgerottet, durch flächendeckendes Impfen.

Die Impfgegner haben nur deshalb eine Chance, der Darwin'schen Auslese zu trotzen und zu überleben, weil es genügend andere geimpfte Menschen gibt, so dass einfach die Chance, sich anzustecken, extrem gering ist. Die Impfgegner wälzen also das gesamte Impfrisiko von sich selbst ab, wollen aber wie selbstverständlich von der Durchimpfung profitieren. Dazu mag sich jeder selbst ein Urteil bilden.